Pernod Ricard

Pernod Ricard

Hier gibt's nur Hochprozentiges

Ich bin ein großer Freund davon, mein Geld in Unternehmen zu investieren, deren Geschäft so gut wie immer geht. Seien es Shampoos, Reinigungsmittel, Windeln, Lebensmittel oder sogar Medikamente –  vollkommen egal, ob gerade Krise ist oder nicht, man kommt einfach nicht ohne diese Produkte aus. In einer Facebook-Gruppe fand ich letztens einen ziemlich passenden Begriff hierfür: die 6G-Methode. Gegessen, getrunken, gewaschen, gepflegt, gewickelt und gesoffen wird immer.

Einige Unternehmen für die ersten fünf G’s habe ich bereits vorgestellt (SyscoPepsiCoProcter & GambleChurch & DwightNestlé uvm.), daher wollen wir uns jetzt mal dem sechsten G widmen und uns den Spirituosenhersteller Pernod Ricard genauer anschauen.

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Die Entstehung und das Geschäftsmodell der Pernod Ricard S.A.:

Alles begann im 18. Jahrhundert, als der Schweizer Arzt Pierre Ordinaire ein Elixier namens Absinth erstmalig zusammenmischt. Das Getränk wurde aus Fenchel, Anis, Wermut, einigen weiteren Kräutern und einer Menge Alkohol hergestellt. Absinth wurde schnell auch abseits der Medizin beliebt, sodass sich im Jahr 1797 der Geschäftsmann Major Dubied dazu entschied, die Rezeptur zu kaufen. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Henri-Louis Pernod eröffnete er eine Absinthdestillerie in Le Locle. Dank der steigenden Popularität des Getränks konnte Pernod im Jahr 1805 in Pontarlier eine zweite Destillerie eröffnen und sein Unternehmen Maison Pernod Fils de Pontarlier gründen. An diesem Punkt der Geschichte kommt Jules François Pernod ins Spiel, der, obwohl er denselben Nachnamen trug, nicht mit Henri-Louis Pernod verwandt war. Jules arbeitete zunächst in einem Chemieunternehmen, bis er sich mit seinem eigenen Färbereibetrieb selbstständig machte. Als dieser allerdings in finanzielle Schieflage geriet, beschloss er seine Produktion auf die Destillation von Alkoholen (Likören, Rum, Cognac) umzustellen. Um das Jahr 1882 begann er mit der Herstellung von Absinth und benannte seine Marke nach sich: Absinth Jules Pernod.

Ab 1909 kam es zum Rechtsstreit zwischen den beiden Pernod-Destillerien, die Jules Pernod zwei Jahre später für sich gewinnen konnte. Absinth wurde immer beliebter und viele Weinproduzenten befürchteten Umsatzeinbußen, weshalb sie sich für ein Verbot des Getränks starkmachten. Mit der Behauptung, dass Absinth lebensbedrohliche Nervenschäden verursache, wurde es am 16. März 1915 erfolgreich verboten. Pernod und viele weitere Absinthdestillerien mussten sich neue Rezepte ausdenken, so entstand ein ähnlich schmeckender Anislikör, den man unter dem Namen Pastis auf den Markt brachte. Im Jahr 1926 vereinigten sich die beiden Pernod-Destillerien und fusionierten mit der 1871 gegründeten Distillerie Hémard, um als wirtschaftlich starkes Unternehmen mit dem Namen Les Établissements Pernod aufzutreten.

Auch Paul Ricard, dessen Vater erfolgreicher Weinhändler war, verfolgte die Verbannung von Absinth und die Entstehung von Pastis, welches seiner Meinung nach längst nicht an den intensiven Geschmack von Absinth herankam. Aus diesem Grund experimentierte er in einem kleinen Labor an der Rezeptur von Pastis. Er hatte das Ziel, ein schmackhafteres Getränk zu kreieren. 1932 begann er mit dem Verkauf seines Getränks und zog damals von Bar zu Bar, um es bekannter zu machen. In den ersten acht Monaten konnte er rund 250.000 Flaschen allein in seiner Heimatstadt Marseille verkaufen. Mithilfe innovativer Marketingmethoden steigerte er die Beliebtheit und machte sein Unternehmen somit immer erfolgreicher. Als sich Paul 1968 aus dem Geschäft zurückzog, übernahm sein Sohn Patrick die Leitung und fusionierte einige Jahre später mit Pernod.

Mit vereinten Kräften konnte der neue Spirituosenkonzern Pernod Ricard schnell auf dem globalen Markt wachsen und stieg so zum zweitgrößten Konzern seiner Branche auf (Platz 1: Diageo). Dank zahlreichen Geschäfts-/ und Markenübernahmen baute sich Pernod Ricard ein breites Produktsortiment auf. So gehören heute weltbekannte Getränkemarken wie MalibuAbsolut VodkaHavana ClubRamazzotti und viele weitere zum Konzern. Die breite Diversifikation lässt den Konzern Schwächephasen einzelner Getränke leicht wegstecken.

Der Pernod Ricard Aktienchart

Zahlen | Daten | Fakten

zuletzt aktualisiert am: 29. November 2022
Symbol:
RI.PA
WKN:
853373
ISIN:
FR0000120693
Land:
Frankreich
Marktkapitalisierung:
48.5 Mrd. €
Dividendenrendite:
2.2%
Zahlungsintervall:
halbjährlich
Erste Dividende:
1994

Aussichten

Wie kann sich Pernod Ricard in Zukunft entwickeln?
Ich habe es schon in der Einleitung geschrieben: Getrunken, besser gesagt gesoffen wird immer! Junge Erwachsene gehen im Club feiern, man trifft sich mit Freunden in einer Bar oder man macht sich einen gemütlichen Abend zu Hause. Auch wenn ich persönlich kein großer Fan davon bin, Alkohol darf hier oft nicht fehlen. Als Investor fragt man sich natürlich, wohin die Reise in den nächsten Jahren geht. Bei Pernod Ricard stehen Themen wie Effizienzsteigerung, Automatisierung der Produktionsstätte und Geschäftsübernahmen weiterhin groß auf der Agenda. Findet der Vorstand des Promille-Konzerns wieder einen geeigneten Übernahmekandidaten, so ist es ein leichtes, den Neuankömmling ins bestehende Geschäftsmodell zu integrieren.

Generell sehe ich für Pernod Ricard eine sehr chancenreiche Zukunft. Mit seinen rund 40 verschiedenen Marken ist man aktuell in 160 Ländern der Welt vertreten. Stark steigt vor allem im asiatischen Raum die Nachfrage nach Hochprozentigem. Hier wächst momentan die Mittelschicht rasend schnell, die sich zum Feierabend nun immer öfter einen Cognac oder einen edlen Whisky gönnt.

Natürlich war auch ein Unternehmen wie Pernod Ricard stark vom Coronavirus betroffen. Die vielen durstigen Touristen blieben heuer vielerorts aus. Allerdings normalisierte sich der Zustand inzwischen wieder und der französische Konzern konnte seine Umsatzprognosen wieder nach oben anpassen. Um zur Bekämpfung des Virus beizutragen, spendete man übrigens rund 70.000 Liter reinen Alkohol, mit dem das Unternehmen Laboratoire Cooper etwa 1,8 Millionen 50-Milliliter-Fläschchen Desinfektionsgel produzieren konnte.

Zu guter Letzt möchte ich noch kurz auf ein “Risiko” eingehen. Gerade junge und hippe Start-up Destillerien haben es heute, durch das Internet, deutlich leichter an Bekanntheit zu kommen, als noch vor einigen Jahren. So sieht man immer häufiger neue Marken, die nachhaltig produzieren, mit neuen Geschmacksrichtungen experimentieren oder ausschließlich auf regionale Zutaten zurückgreifen. Ich finde es klasse, schließlich beginnt so auch ein Umdenken bei den etablierten Marken – als Risiko sehe ich die kleineren Destillerien allerdings nicht. Sollten sie ins Unternehmen passen, werden sie sicher von einem der Big Player aufgekauft.

Wie steht es um die Dividende?
Seit dem Jahr 1994 beteiligt Pernod Ricard seine Aktionäre am Unternehmenserfolg in Form von Dividenden. Allerdings ist es dem Unternehmen nicht gelungen, die Dividende Jahr für Jahr zu steigern. So musste man in den Jahren 2009 und 2010 die Dividende um ganze 63 Prozent kürzen. Seitdem gehts aber wieder aufwärts – die Dividendensteigerungsrate der letzten 10 Jahre liegt bei 9,8 Prozent, betrachtet auf 5 Jahre sogar schon bei ordentlichen 14,7 Prozent. Auch die momentane Dividendenrendite von 2,1 Prozent ist nicht zu gering. Die Ausschüttungsquote ist mit 56 Prozent ebenfalls im akzeptablen Bereich.

Fazit:
Pernod Ricard entwickelte sich aus einer kleinen Absinthdestillerie zum zweitgrößten Spirituosenhersteller der Welt. Das Unternehmen hat einige weltbekannte Marken im Sortiment, die laufend eine Menge Geld in die Kassen spülen. Wer sein Geld in Alkohol anlegen möchte, kann hier langfristig eine hochprozentige Rendite erzielen.

Berechnungskriterium
Wert
Punktzahl
Dividendenrendite
2.2 %
5 von 6
Dividendensteigerungsrate (letzte 5 Jahre)
17.9 %
6 von 6
Ausschüttungsquote
53.6 %
4 von 6
Zahlung & Steigerung der Dividende
0 Jahre
0 von 6
Kurszuwachs (letzte 10 Jahre)
114.4 %
3 von 3
Gewinnentwicklung (letzte 5 Jahre)
7.4 %
2 von 3
Umsatzentwicklung (letzte 5 Jahre)
3.3 %
1 von 3
Verschuldungsgrad
30.9 %
1 von 3
Gesamtpunktzahl
=
22 von 36

Der Hintergrund

Als ich im Jahr 2018 DividendeOhneEnde startete, suchte ich nach einem Weg schnell und einfach ein Bewertungssystem in meinen Unternehmensvorstellungen zu integrieren. Entstanden ist eine Herzchen-Skala, die abgesehen von einigen Kennzahlen hauptsächlich auf meinem Bauchgefühl beruhte.

Das Problem

Ohne Frage, das eigene Bauchgefühl kann täuschen. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen den Aktien hat unter dem alten Bewertungssystem gelitten. Zu guter Letzt war meine alte Herzchen-Skala eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Artikelschreibens.

Die Lösung

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und lange nach einer Lösung gesucht. Mit meinem heutigen datenbasiertem Berechnungssystem kann ich fortlaufend alle meine Aktien im Blick behalten. Dies macht den DividendeOhneEnde-Score vergleichbar, zumal die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

Weitere interessante Unternehmen:

Benedikt Stafflinger

Benedikt Stafflinger

Hi, ich bin Benedikt. Als Privatinvestor bin ich oft auf der Suche nach interessanten und lukrativen Dividendenaktien. Wenn ich eine Firma gefunden habe, schaue ich mir gerne das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven an. Da ich diese Infos nicht für mich behalten will, habe ich DividendeOhneEnde ins Leben gerufen - die Plattform für solide und wachstumsstarke Dividendenwerte. Hier kannst du noch etwas mehr über mich erfahren ...
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Der Depotplaner inkl. Depot-Tracker

Sehr gut, ein weiteres Unternehmen kennst du nun. Allerdings ist es keine gute Idee, blind alle meine vorgestellten Aktien nachzukaufen. Wie würde ich also ein vernünftiges Dividenden-Depot zusammenstellen? Welche verschiedenen Handelsansätze kann man verfolgen? Und ganz wichtig, wie kann man seine eigene Depotperformance tracken?

Zu diesem Theme machte ich mir sehr viele Gedanken und habe lange daran getüftelt. Stolz darf ich meinen Depotplaner mit 5 verschiedene Musterdepots präsentieren. Insgesamt werden 60 Aktien vorgestellt, die langfristig sowohl im Kurs, als auch in der Dividende steigen. Abgesehen davon gebe ich mit meinem Depot-Tracker ein geniales Tool mit an die Hand, um die eigene Performance noch besser im Auge zu behalten.

Wie ist deine Meinung zu Pernod Ricard?

2 Antworten

  1. Hi Benedikt,

    sehr schöner Beitrag.
    Ich persönlich finde die Problematik mit der Steuer in Frankreich sehr ungünstig. Nur die DKB bietet meiner Meinung nach für 11,90 für 3 Jahre diese Möglichkeit der automatisierten Anrechnung. Ansonsten muss man die Steuer vollständig (12,8% + 26,375% in Dtl.) bezahlen, da den meisten Banken wohl die technischen Mittel fehlen. Obwohl es ja nur 12,8% +12,2% +Soli wären.
    Darum tendiere ich persönlich eher zu Diageo.
    Noch eine andere Frage: Wie hast du die Integration mit dem Chart realisiert?

    Weiter viel Erfolg und danke dir.
    Viele Grüße
    Chris

    1. Hallo Chris,
      danke dir für dein Feedback.
      Ja, die Steuerthematik ist wirklich nicht optimal, mir geht es aber in erster Linie um die Unternehmen an sich. Diageo werde ich bei Zeit aber sicher auch mal genauer vorstellen.
      Die Charts habe ich über ein spezielles Plugin integriert – bei dir läuft das mit Tradingview aber auch recht schick 🙂
      Liebe Grüße
      Benedikt

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