Air Liquide

Air Liquide

Das solide Geschäft mit liquiden Rohstoffen

Kennst du Air Liquide? Bis vor meiner Recherche war mir das Unternehmen ehrlich gesagt größtenteils unbekannt. Ich kannte zwar den Namen und den Chart habe ich auch schon mal gesehen, aber womit die ihr Geld verdienen wusste ich nicht. Schauen wir uns heute also mal Air Liquide an. So viel kann ich vorwegsagen: Es ist ein richtig interessantes Unternehmen, das meiner Meinung nach eine blendende Zukunft vor sich hat.

Ähnlich, wie auch die deutsche Linde beliefert der Pariser Konzern seine Kunden mit Gas. Und dabei sind die Abnehmer in deutlich mehr Branchen verteilt, als ich zuerst annahm. Air Liquide beliefert Großindustrien mit eigenen Pipelines, liefert aber auch Gasflaschen an kleinere Handwerksbetriebe. Hinzu kommen medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, die Sauerstoff oder Narkosegas benötigen. Die Lebensmittelbranche benutzt das Gas, um Essen tiefzugefrieren. Klärwerke brauchen es zum Reinigen unseres Abwassers und die Elektroindustrie in der Halbleiterherstellung. Die Einsatzgebiete sind extrem vielfältig – da stört es nicht wirklich, wenn mal eine Branche schwächelt.

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Die Entstehung und das Geschäftsmodell der Air Liquide S.A.:

Georges Claude wurde 1870 in Paris geboren. Sein Vater war selbst Lehrer, daher unterrichtete er seinen Sohn zu Hause. Obwohl Claude keinen richtigen Schulabschluss besaß, studierte er später an der Pariser Hochschule für Physik und Chemie. Dort lernte er seinen Freund und späteren Geschäftspartner Paul Delorme kennen. Gemeinsam experimentierten die beiden nach ihrem Studium an einem komplizierten Verfahren, Luft in seine Einzelelemente zu unterteilen und zu verflüssigen (Air Liquide = flüssige Luft). Für ihre Forschungen kauften sie sich für 7.500 Franken einen Druckluftmotor und mieteten sich in eine leerstehende Busgarage ein. Nach 2 Jahren haben sie endlich das Verfahren perfektioniert und gründeten daraufhin im Jahr 1902 L’Air Liquide. Delorme konnte einige Ingenieurskollegen und Investoren von seinem Unternehmen überzeugen, sodass die junge Firma schnell 24 Aktionäre mit einem Gesamtkapital von 100.000 Franken mit an Bord holen konnte.

Schnell stellten die beiden Gründer fest, dass es sehr kompliziert und gefährlich war, Gase zu transportieren. Um seine Kunden also weltweit beliefern zu können, musste man sich für lokale Produktionsstandorte entscheiden. 1905 wurden zuerst noch einige Fabriken in Frankreich aufgebaut, ab 1906 expandierte man in ganz Europa, ab 1907 wagte man den Schritt nach Japan. 1911 folgte Kanada und 1916 kam dann auch die USA dazu. Ab den 1960ern hat sich Air Liquide ein eigenes Pipelinenetzwerk gebaut. Zu dieser Zeit gab es eine boomende Gasnachfrage in der Industrie, der die Franzosen dank ihrer Rohrleitungen sicher und schnell nachkommen konnte. Das Unternehmen investierte immer einen großen Teil des Gewinnes in Forschung und Innovation. So war man auch 1985 bereits bestens aufgestellt, um die neue aufstrebende Elektrobranche mit ultrareinem Industriegas zu beliefern.

Um weiterzuwachsen und um sein Geschäft in den USA zu festigen, übernahm Air Liquide 1986 Big Three Industries, einen konkurrierenden Industriegashersteller. Um sich breiter diversifizieren zu können, gründete man 1995 die Tochtergesellschaft Air Liquide Santé, die sich auf medizinische Gase wie Stickstoff, Sauerstoff und Anästhesie-Gase spezialisierte. Es folgten einige weitere Übernahmen in verschiedenen Bereichen. 2016 folgte dann die bislang größte Akquisition von Airgas – einem Gasflaschenlieferanten aus den USA, der als Vorreiter im E-Commerce mit Onlinebestellungen galt. Gemeinsam schaffte man sehr lukrative Synergieeffekte, von denen Air Liquide und seine Aktionäre noch lange profitieren werden. Insgesamt ist man heute sehr breit aufgestellt und verfügt über ein erstklassiges Vertriebsnetz, von dem manch Konkurrent nur so träumen kann.

Der Air Liquide Aktienchart

Zahlen | Daten | Fakten

zuletzt aktualisiert am: 29. November 2022
Symbol:
AI.PA
WKN:
850133
ISIN:
FR0000120073
Land:
Frankreich
Marktkapitalisierung:
73.9 Mrd. €
Dividendenrendite:
1.9%
Zahlungsintervall:
jährlich
Erste Dividende:
1907

Aussichten

Wie geht es bei Air Liquide zukünftig weiter?
Bei Air Liquide setzt man auf langfristige Lieferantenverträge, bei denen Kunden einen fest vereinbarten Betrag monatlich zahlen, egal ob Gas gebraucht wurde oder nicht. Das macht die Erträge für den Gasgiganten natürlich planbar. Und das sieht man auch am langfristigen Aktienkurs. Tatsächlich gab es 2018 einen kleinen Gewinnrückgang, der durch eine höhere Steueraufwendung verursacht wurde. Nichtsdestotrotz war 2018 das 2. erfolgreichste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte – es blieben etwas mehr als 2 Mrd. € in den Kassen hängen. Der vorletzte Gewinnrückgang war übrigens im Jahr 1991 und mit 0,6% kaum spürbar.

Neben Gas hat Air Liquide auch Wasserstoff im Angebot – und das nicht zu gering. Zu Recht schürt das Wachstumsfantasien bei den Anlegern. Man stelle sich mal vor, wie die Aktie durch die Decke gehen könnte, wenn endlich der Durchbruch bei Wasserstoffautos gelingen würde. Inzwischen hat Air Liquide weltweit über 100 Wasserstofftankstellen in Betrieb genommen. Kommt der Durchbruch, wird man dieses Netz natürlich noch weiter ausbauen. Persönlich denke ich aber, dass die Öllobby noch ein paar Jahre mit fossilen Brennstoffen Geld verdienen möchte. Und man muss auch anerkennen, dass heute die Elektroauto-Industrie deutlich ausgereifter ist, als die Wasserstofftechnologie. Wer aber schon früh bei diesem Trend mit dabei sein möchte, sollte dies lieber mit einem soliden Wert wie Air Liquide tun, als mit einem spekulativen Pennystock.

Wie sieht es denn mit der Dividende aus?
Die 24 Gründeraktionäre bekamen ihre erste Gewinnausschüttung im Jahr 1907. Seitdem wurde die Dividende jährlich gezahlt. Allerdings nicht jährlich angehoben. Die Dividendenrendite beträgt 2,1%. Zusammen mit einer Steigerung von durchschnittlich 7% in den letzten 10 Jahren, ist das schon ordentlich. Air Liquide punktet mit einem “Loyalty Bonus”, bei dem man seine Aktien 2 Jahre halten muss und dann eine 10% höhere Dividende ausgeschüttet bekommt. Das nenne ich mal investorfreundlich! Die Ausschüttungsquote ist mit rund 50% noch akzeptabel. Allerdings sollte man die französische Quellensteuer nicht vergessen.

Fazit:
Air Liquide ist ein breit aufgestelltes Unternehmen, das nicht mehr wegzudenken ist. Ihre Produkte werden in sehr vielen Bereichen und Branchen eingesetzt und dringend benötigt. Mit Akquisitionen und neuen Innovationen bietet der Gaskonzern enorme Wachstumsmöglichkeiten. Ich denke, dass der Aktienkurs langfristig weiter steigen wird und werde mir die Aktie bei einer günstigen Gelegenheit daher mal ins Depot holen.

Berechnungskriterium
Wert
Punktzahl
Dividendenrendite
1.9 %
4 von 6
Dividendensteigerungsrate (letzte 5 Jahre)
6.9 %
2 von 6
Ausschüttungsquote
52.4 %
4 von 6
Zahlung & Steigerung der Dividende
3 Jahre
1 von 6
Kurszuwachs (letzte 10 Jahre)
123.8 %
3 von 3
Gewinnentwicklung (letzte 5 Jahre)
3.6 %
1 von 3
Umsatzentwicklung (letzte 5 Jahre)
6.2 %
2 von 3
Verschuldungsgrad
29.6 %
1 von 3
Gesamtpunktzahl
=
18 von 36

Der Hintergrund

Als ich im Jahr 2018 DividendeOhneEnde startete, suchte ich nach einem Weg schnell und einfach ein Bewertungssystem in meinen Unternehmensvorstellungen zu integrieren. Entstanden ist eine Herzchen-Skala, die abgesehen von einigen Kennzahlen hauptsächlich auf meinem Bauchgefühl beruhte.

Das Problem

Ohne Frage, das eigene Bauchgefühl kann täuschen. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen den Aktien hat unter dem alten Bewertungssystem gelitten. Zu guter Letzt war meine alte Herzchen-Skala eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Artikelschreibens.

Die Lösung

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und lange nach einer Lösung gesucht. Mit meinem heutigen datenbasiertem Berechnungssystem kann ich fortlaufend alle meine Aktien im Blick behalten. Dies macht den DividendeOhneEnde-Score vergleichbar, zumal die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

Weitere interessante Unternehmen:

Benedikt Stafflinger

Benedikt Stafflinger

Hi, ich bin Benedikt. Als Privatinvestor bin ich oft auf der Suche nach interessanten und lukrativen Dividendenaktien. Wenn ich eine Firma gefunden habe, schaue ich mir gerne das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven an. Da ich diese Infos nicht für mich behalten will, habe ich DividendeOhneEnde ins Leben gerufen - die Plattform für solide und wachstumsstarke Dividendenwerte. Hier kannst du noch etwas mehr über mich erfahren ...
Benedikt Stafflinger

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Der Depotplaner inkl. Depot-Tracker

Sehr gut, ein weiteres Unternehmen kennst du nun. Allerdings ist es keine gute Idee, blind alle meine vorgestellten Aktien nachzukaufen. Wie würde ich also ein vernünftiges Dividenden-Depot zusammenstellen? Welche verschiedenen Handelsansätze kann man verfolgen? Und ganz wichtig, wie kann man seine eigene Depotperformance tracken?

Zu diesem Theme machte ich mir sehr viele Gedanken und habe lange daran getüftelt. Stolz darf ich meinen Depotplaner mit 5 verschiedene Musterdepots präsentieren. Insgesamt werden 60 Aktien vorgestellt, die langfristig sowohl im Kurs, als auch in der Dividende steigen. Abgesehen davon gebe ich mit meinem Depot-Tracker ein geniales Tool mit an die Hand, um die eigene Performance noch besser im Auge zu behalten.

Wie ist deine Meinung zu Air Liquide?

6 Antworten

  1. Moin Benedikt,

    Air Liquide war vor einiger Zeit (1. Halbjahr 2016) auch schon einmal recht weit oben auf meiner Watchlist. Inzwischen ist der Kurs der Aktie allerdings schneller gestiegen, als es mir lieb wäre, sodass ich von einem Engagement erst einmal Abstand genommen habe.

    Als Cashflow-orientierter Investor war und ist mir aber auch die recht niedrige Dividendenrendite weiterhin ein Dorn im Auge, auch wenn ich den “Loyalty Bonus” eine echt klasse Idee des Unternehmens finde.

    Sollte es mal wieder zu einer etwas kräftigeren Kurskorrektur kommen, könnte ich mir aber durchaus vorstellen, mir die Franzosen ins Depot zu holen – französische Quellensteuer hin oder her.

    – David

    1. Hallo David,
      ich warte aktuell auch noch auf eine schöne Einstiegsgelegenheit.
      Ich hoffe nur, dass wir den Moment auch erwischen, nicht dass uns der Kurs einfach so davon läuft… 🙂
      Viel Erfolg
      Benedikt

  2. Wow, habe erst vor 2 Wochen die Aktienanalyse auf https://www.alleaktien.de zu Air Liquide gesehen und jetzt kommt direkt hier auch die Analyse! Perfekt. Habe direkt zugeschlagen, denke die haben mit Wasserstoff noch eine rosige Zukunft.

    Schreibst du auch Updates, wenn die Aktie fällt oder steigt?

    LG, Leana

    1. Hallo Leana,
      naja. Jedes Mal, wenn eine Aktie steigt oder fällt kann ich da kein Update dazu bringen.
      Ich versuche aber schon meine Texte aktuell zu halten – hin und wieder werde ich sie also schon aktualisieren.
      Liebe Grüße
      Benedikt

  3. Hallo Benedikt,
    die Vorstellung ist zwar schon älter, dennoch danke dafür!:)
    Hast du mittlerweile Air Liquide und kannst mir sagen, welche Art des Kaufs besser ist – über den Broker oder direkt bei Air liquide?

    Bleiben bei dem Broker-Kauf und der Registrierung (damit ich 10% bekomme) die Aktien im eigenen Depot oder werden die zu AL übertragen? (Wenn letzteres der Fall wäre, würde sich ja ein Kauf direkt über AL anbieten?)

    Danke!

    1. Hallo Sven,
      erstmal vielen Dank für deinen Kommentar 🙂
      Leider kann ich dir hier aber nicht weiterhelfen – habe selbst noch keine Air Liquide Aktien.
      Würde mich aber sehr darüber freuen, wenn du hier auf dem Blog deine Erfahrung teilst, wie du es schlussendlich gemacht hast.
      Danke und liebe Grüße
      Benedikt

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