Halma

Halma

Von der Teeplantage zum Nischenkönig

In welche Aktien investieren die meisten Anleger in meinem Alter? Umfragen haben gezeigt, dass Werte wie Tesla, Amazon, Apple, Microsoft und Facebook ganz oben auf der Einkaufsliste stehen. Tatsächlich habe ich daran auch nichts auszusetzen, es ist generell eine kluge Idee in Unternehmen zu investieren, die man kennt und versteht. Ich für meinen Teil bin aber ein großer Freund von sogenannten “langweiligen Aktien” – Werten, die nur die wenigsten Anleger auf dem Schirm haben, deren Geschäfte sich aber wirklich ausgezeichnet entwickeln.

Die britische Halma plc ist genau so ein Wert. Der Mischkonzern umfasst über 40 einzelne Unternehmen, die sich alle darauf konzentrieren, die Welt ein Stück sauberer, sicherer und gesünder zu machen. Auch aus finanzieller Sicht macht Halma eine ausgesprochen gute Figur. Von daher bin ich meinem Blogleser Thomas sehr dankbar, schließlich machte er mich auf das Unternehmen bei meinem Bunzl-Artikel aufmerksam.

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Die Entstehung und das Geschäftsmodell der Halma Public Limited Company:

Die Ursprünge der heutigen Nischenholding-Gesellschaft reichen weit zurück in die 1890er-Jahre, als man in Sri Lanka einen Teeproduzenten gründete. Aber der Reihe nach. Tee hat seinen Ursprung in China, wo man ihn bereits vor über 5.000 Jahren als Heilmittel einsetzte. Erst im Jahr 1610 kam Tee nach Europa, genauer gesagt brachten ihn Schiffsfahrer nach Amsterdam. Die Nachfrage war stabil und die Niederländer blieben vorerst die einzigen Tee-Importeure. Nach und nach lernten vor allem die Engländer den Tee lieben. Kurzerhand gründete das Britische Empire die East India Company und sicherte sich das Monopol für Teeimporte. Um mehr Geld zu verdienen, erhob man in den 1760er-Jahren höhere Steuern für Tee in seinen Kolonien, was zu Protesten und letztendlich auch zur Boston Tea Party führte, die wohl den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg lostrat.

Ab dem 19. Jahrhundert baute man Tee hauptsächlich in Indien an. Außerdem kolonialisierten die Briten im Jahr 1815 die Insel Sri Lanka, gaben ihr den Namen Ceylon und begannen dort Kaffee anzubauen. Der Boden und die Temperaturen der Insel eigneten sich hervorragend für den Anbau, doch eine Schädlingsseuche im Jahr 1868 zerstörte dieses Geschäft. Auch mit Kakao und Tee hatte das Britische Empire wenig Erfolg. Anders sah es wiederum bei James Taylor, einem schottischen Teebauern aus, der nur wenige Jahre später erfolgreich die erste voll ausgestattete Teeplantage in Sri Lanka aufbaute. Info am Rande: Taylor arbeitete später intensiv mit dem Kaufmann Thomas Lipton (heute Unilever) zusammen.

Anfang April 1894 gründete man im Distrikt Kegalle die Nahalma Tea Estate Company Limited, die wie es der Name schon erahnen lässt, hauptsächlich Tee produziert. Das Geschäft lief stabil und konnte sich in den nächsten Jahrzehnten gut über Wasser halten. Neben dem Tee legte man zunehmend mehr Fokus auf die Kautschukproduktion, da gerade in den USA und Europa die Nachfrage nach Gummi wuchs. Aus diesem Grund stellte man den Betrieb im Jahr 1937 vollständig auf Kautschuk um und änderte zu diesem Zweck auch seinen Namen in The Nahalma Rubber Estate Company Limited. Im Jahr 1950 verstaatlichte die Regierung Sri Lankas alle Kautschukplantagen und eliminierte damit das Geschäft. Gewissermaßen aus der Not heraus musste man sich erneut umstrukturieren und wurde zu einer Investitions- und Holdinggesellschaft mit dem Namen Halma Investments Limited.

Tatsächlich dümpelte das Geschäft einige Jahre vor sich hin, ehe der Geschäftsmann David Barber im Jahr 1972 die Kontrolle der Investmentgesellschaft übernahm. Zu diesem Zeitpunkt hatte man eine Marktkapitalisierung von weniger als 1 Million Pfund. Barber begann damit eine Reihe von Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Elektronik aufzukaufen und legte damit den Grundstein für den späteren Erfolg der Holding. Die Geschäfte entwickelten sich wirklich hervorragend, das organische Wachstum und auch das Wachstum durch weitere sinnvolle Akquisen war beachtlich. Im Jahr 1981 wandelte man das Unternehmen in eine öffentliche Aktiengesellschaft um und brachte die Halma plc an die Londoner Börse. Heute legt man seinen Fokus auf Nischenunternehmen, mit dem Ziel die Welt sicherer, gesünder und sauberer zu machen. Hierzu zählt man Sektoren wie Branderkennung, Wasseranalyse, Lebensmittelsicherheit und Medizintechnologie, aber auch Sicherheitslösungen für Aufzüge, Gasüberwachungen, Zutrittskontrollsysteme und viele mehr.

Der Halma Aktienchart

Zahlen | Daten | Fakten

zuletzt aktualisiert am: 29. November 2022
Symbol:
HLMA.L
WKN:
865047
ISIN:
GB0004052071
Land:
Großbritannien
Marktkapitalisierung:
9.8 Mrd. €
Dividendenrendite:
0.9%
Zahlungsintervall:
halbjährlich
Erste Dividende:
1894

Aussichten

Wie kann sich die Halma plc in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
Zunächst möchte ich noch mal kurz das Geschäftsmodell der Investmentholding zusammenfassen. Halma bevorzugt ganz klar Nischenmärkte mit globaler Ausrichtung und langfristigem Wachstumspotenzial. Man vereint momentan 42 Unternehmen unter einem Hut, wobei alle Unternehmen eigenständig agieren. Grundsätzlich unterteilt man seine Tochtergesellschaften in drei Hauptsektoren.

  1. Sicherheit: Produktlösungen für Brandbekämpfung/-erkennung, Fahrstuhlsicherheit, automatische Türsysteme, Druckmanagement, Sichere Lagerung und Zugriffskontrollsysteme;
  2. Umwelt und Analyse: Umweltüberwachung, Gaserkennungssysteme, Analyselösungen sowie Wasserbehandlungssysteme;
  3. Medizin: Biowissenschaften, Gesundheitsanalyselösungen sowie Therapeutische Lösungen;

Werfen wir nun einen Blick auf die Zahlen des zuletzt veröffentlichten Berichts (Jahresabschlussbericht 2021 – endete am 31. März 2021). Verglichen mit dem Vorjahr 2020 ging der Gesamtumsatz zwar um 2 Prozent auf nun 1,3 Milliarden GBP zurück, aufgrund geringerer Ausgaben konnte man seinen bereinigten Gewinn vor Steuern aber um 4 Prozent steigern. Dieser liegt nun bei 278,3 Millionen GBP – einem neuen Rekordgewinn. Auch der Gewinn je Aktie stieg von 57,39 Pence auf nun 58,67 Pence. Werte, die sich wirklich sehen lassen können.

Zweifelsohne wird Halma auch in Zukunft durch Akquisen, wie auch dem bestehendem Unternehmensnetzwerk wachsen. Für seine Übernahmen hat man ein klares Regelwerk, an das man sich diszipliniert halten wird. Außerdem investiert man kontinuierlich in das eigene Unternehmen und seine Mitarbeiter – nur so stellt man sicher, dass man auch in Zukunft eine starke Position auf dem globalen Markt innehat. Alles in allem bin ich sehr zuversichtlich, was die nächsten Jahre der Halma plc betrifft.

Wie steht es um die Dividende?
In einem alten Archivtext aus 1897 habe ich herausgefunden, dass die damalige Nahalma Tea Estate Company bereits im Jahr 1894 seine Aktionäre am Unternehmensgewinn beteiligte. Inwiefern diese Dividende über die nächsten Jahrzehnte aufrecht gehalten wurde, konnte ich allerdings nicht herausfinden. Spätestens seit dem Jahr 1979 verfolgt Halma eine investorenfreundliche Ausschüttungspolitik – seitdem wurde die Dividende jährlich um mindestens 5 Prozent angehoben. Die durchschnittliche Dividendensteigerungsrate der letzten 10 Jahre beträgt 7,5 Prozent. Die momentane Dividendenrendite liegt zwar nur bei 0,6 Prozent – die Ausschüttungsquote in Höhe von 33,3 Prozent signalisiert aber noch genügend Potenzial für zukünftige Steigerungen.

Fazit:
Vom Teebauern zum globalen Nischenkonzern war es zweifelsohne ein weiter Weg. Heute ist die Halma plc breit aufgestellt und glänzt mit hervorragendem Umsatz- und Gewinnwachstum. Ich bin zuversichtlich, dass sich das Unternehmen auch in Zukunft gut weiterentwickeln kann und empfehle daher Langfristinvestoren Halma mit auf die Watchlist zu packen.

Berechnungskriterium
Wert
Punktzahl
Dividendenrendite
0.9 %
2 von 6
Dividendensteigerungsrate (letzte 5 Jahre)
6.9 %
2 von 6
Ausschüttungsquote
32.2 %
6 von 6
Zahlung & Steigerung der Dividende
27 Jahre
5 von 6
Kurszuwachs (letzte 10 Jahre)
406.2 %
3 von 3
Gewinnentwicklung (letzte 5 Jahre)
10.4 %
3 von 3
Umsatzentwicklung (letzte 5 Jahre)
10.5 %
3 von 3
Verschuldungsgrad
25.6 %
1 von 3
Gesamtpunktzahl
=
25 von 36

Der Hintergrund

Als ich im Jahr 2018 DividendeOhneEnde startete, suchte ich nach einem Weg schnell und einfach ein Bewertungssystem in meinen Unternehmensvorstellungen zu integrieren. Entstanden ist eine Herzchen-Skala, die abgesehen von einigen Kennzahlen hauptsächlich auf meinem Bauchgefühl beruhte.

Das Problem

Ohne Frage, das eigene Bauchgefühl kann täuschen. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen den Aktien hat unter dem alten Bewertungssystem gelitten. Zu guter Letzt war meine alte Herzchen-Skala eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Artikelschreibens.

Die Lösung

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und lange nach einer Lösung gesucht. Mit meinem heutigen datenbasiertem Berechnungssystem kann ich fortlaufend alle meine Aktien im Blick behalten. Dies macht den DividendeOhneEnde-Score vergleichbar, zumal die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

Weitere interessante Unternehmen:

Benedikt Stafflinger

Benedikt Stafflinger

Hi, ich bin Benedikt. Als Privatinvestor bin ich oft auf der Suche nach interessanten und lukrativen Dividendenaktien. Wenn ich eine Firma gefunden habe, schaue ich mir gerne das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven an. Da ich diese Infos nicht für mich behalten will, habe ich DividendeOhneEnde ins Leben gerufen - die Plattform für solide und wachstumsstarke Dividendenwerte. Hier kannst du noch etwas mehr über mich erfahren ...
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Der Depotplaner inkl. Depot-Tracker

Sehr gut, ein weiteres Unternehmen kennst du nun. Allerdings ist es keine gute Idee, blind alle meine vorgestellten Aktien nachzukaufen. Wie würde ich also ein vernünftiges Dividenden-Depot zusammenstellen? Welche verschiedenen Handelsansätze kann man verfolgen? Und ganz wichtig, wie kann man seine eigene Depotperformance tracken?

Zu diesem Theme machte ich mir sehr viele Gedanken und habe lange daran getüftelt. Stolz darf ich meinen Depotplaner mit 5 verschiedene Musterdepots präsentieren. Insgesamt werden 60 Aktien vorgestellt, die langfristig sowohl im Kurs, als auch in der Dividende steigen. Abgesehen davon gebe ich mit meinem Depot-Tracker ein geniales Tool mit an die Hand, um die eigene Performance noch besser im Auge zu behalten.

Wie ist deine Meinung zu Halma?

4 Antworten

  1. Hallo Benedikt,

    schön das es Halma geschafft hat :).Schöne Vorstellung, bin seit Oktober 2020 investiert und bisher solide 25% im Plus.
    Dividende ist ja auch steuerfrei da aus GB.
    Ich habe mir als letztes noch Steris Plc ins Depot geholt 🙂

    Lg Thomas

    1. Hahahah, du hast doch irgendwoher meine Artikelliste 😀
      Steris kommt nächste Woche und Constellation Software ist auch schon in Planung.
      Aber schön zu sehen, dass wir ähnliche Dividendentitel finden.
      Liebe Grüße
      Benedikt

      1. Hallo Benedikt,

        bei mir steht noch Wisetech global aus Australien ganz oben, Reply aus Italien und Tyler Technologies aus den USA.
        Alles Software Unternehmen 🙂

        Lg Thomas

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