Amphenol

Amphenol

Von der Röhrenradiofassungen zur Steckverbindung

Meine Güte, was ist denn da schon wieder bei Tesla los? Nahezu 50 Prozent Kurszuwachs innerhalb von etwa 3 Wochen. An der Stelle muss ich einfach mal meine Gratulation an alle Tesla-Aktionäre aussprechen. Ich beobachte die Aktie zwar schon länger, war aber nie bereit bei diesen Kursen einzusteigen. Fakt ist jedenfalls, dass die Nachfrage nach Elektroautos und Lkws aufgrund des zunehmenden Umweltbewusstseins und politischer Regulierungen deutlich ansteigen wird. Aber ob Tesla seine Position als Platzhirsch auch in Zukunft innehalten wird, kann ich nur schwer abschätzen. Aus genau diesem Grund habe ich mir ein Zulieferunternehmen herausgesucht, das von Elektromobilität wie auch vielen anderen starken Wachstumstrends profitieren wird, ohne dass ich dabei auf eine einzelne Automarke setzen muss.

Die Amphenol Corporation mit Sitz in Wallingford (Connecticut) zählt zu den führenden Herstellern einer Vielzahl elektronischer Komponenten, wie Steckverbindungen, Sensoren oder Kabeln, die in den unterschiedlichsten Industriezweigen (Automobil, Luft- und Raumfahrt, Breitbandausbau, u. v. m.) zum Einsatz kommen. Schauen wir uns diesen Schaufelverkäufer heute mal etwas genauer an.

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Die Entstehung und das Geschäftsmodell der Amphenol Corp.:

Die Ursprünge des heutigen Steckverbindungskonzerns geht auf Arthur John Schmitt zurück, der am 14. Juni 1893 in Austin (Illinois) geboren wurde. Seine beiden Eltern Henry und Barbara betrieben ein Lederwarengeschäft, in dem Arthur schon früh aushalf. Allerdings erkannte er bald seine Leidenschaft fürs Erfindertum und begann in einer kleinen Maschinenwerkstatt zu arbeiten. Als Jugendlicher brach er nach nur zwei Jahren die Highschool ab – er war von dem System gelangweilt, das sich nur an durchschnittliche Schüler richtete. Mit 18 Jahren entdeckte Arthur seine Faszination fürs Fliegen und innerhalb von einem Jahr flog er sein eigenes Flugzeug. Nach einem unglücklichen Absturz verbot ihm sein Vater das Fliegen, also baute Arthur den Motor des Flugzeugs aus und konstruierte ein dreirädriges Auto mit Propellerantrieb, das tatsächlich über 80 km/h schnell fahren konnte. Dank seiner geschickten Handwerksfähigkeiten fand er schnell einige Jobs, ehe er eine Anstellung bei der Sterling Milling Company als Werksleiter annahm. Zwar befreite ihm diese Position von der Einberufung zum Ersten Weltkrieg, Arthur bemühte sich aber regelrecht bei den Marinefliegern aufgenommen zu werden. Während seiner Stationierung in South Carolina tüftelte und schraubte er an Radios und fand darin eine neue Berufung.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs zog er nach Chicago und begann mit der Herstellung verschiedener Radiokomponenten. Knapp fünf Jahre später entschied er gemeinsam mit seinem Kollegen Walter Horn die Walnart Manufacturing Company zu gründen und sich durch und durch auf die Herstellung von Radio- und Elektrotechnik-Komponenten zu konzentrieren. Die beiden profitierten von der aufstrebenden Radioindustrie und ihr Geschäft konnte sich solide entwickeln. Im Jahr 1928 fusionierte man mit der Continental-Diamond Fiber Company. Leider war man kurz darauf gezwungen, Bankrott anzumelden, da man den verheerenden Auswirkungen der Großen Depression nicht standhalten konnte. Arthur ließ sich davon keinesfalls entmutigen und gründete im Jahr 1932 erneut ein Unternehmen, diesmal The American Phenolic Corporation. Er erkannte das wachsende Potenzial von Röhrenradios im Hausgebrauch und suchte daher nach einer effizienteren Methode, die benötigten Vakuumröhrenfassungen herzustellen. Schon bald entdeckte er, dass sich isolierender Kunststoff deutlich besser für die Produktion eignete als der in der Regel verwendete Keramik. Noch im selben Jahr meldete er sein erstes von vielen folgenden Patenten an.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs erlebte das junge Unternehmen eine ordentliche Boomphase und konnte stark expandieren. Man arbeitete intensiv mit der US Army Air Corps zusammen und entwickelte verschiedene elektrische Standardstecker. Insgesamt stellte American Phenolic knapp 62 Prozent aller elektrischen Steckverbindungen her, die während des Zweiten Weltkriegs in US-Flugzeugen und Funkgeräten verwendet wurden. Arthur nutzte das erwirtschaftete Kapital, um an vielen neuen Innovationen zu forschen und neue Produkte zu entwickeln. Im Jahr 1956 verschmelzte man den Unternehmensnamen in Amphenol Electronics Corporation und ging am 17. Mai 1957 an die New Yorker Börse. Es folgten einige Übernahmen, mit denen man fortlaufend seine Geschäftsfelder ausbauen konnte. Heute zählt die Amphenol Corporation zu den führenden Herstellern von elektrischen, elektronischen und faseroptischen Steckverbindern, sowie Sensoren und Koaxial- und Flachbandkabel.

Der Amphenol Aktienchart

Zahlen | Daten | Fakten

zuletzt aktualisiert am: 29. November 2022
Symbol:
APH
WKN:
882749
ISIN:
US0320951017
Land:
USA
Marktkapitalisierung:
46.5 Mrd. €
Dividendenrendite:
1%
Zahlungsintervall:
quartalsweise
Erste Dividende:
2005

Aussichten

Wie kann sich Amphenol in Zukunft weiterentwickeln?
Zunächst möchte ich noch mal kurz das Geschäftsmodell der Amphenol Corporation zusammenfassen. Der Steckverbindungs-Experte ist mit rund 80.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 10,5 Milliarden US-Dollar einer der weltweit größten Entwickler, Hersteller und Vermarkter von elektrischen, elektronischen und faseroptischen Steckverbindern und Verbindungssystemen, Antennen, Sensoren und sensorgestützten Produkten sowie Koaxial- und Hochgeschwindigkeits-Spezialkabeln. Dabei unterteilt man seine Produkte in zwei Segmente:

  1. Interconnect Products and Assemblies: Hier erwirtschaftet Amphenol rund 96 Prozent des Gesamtumsatzes und entwickelt, produziert und vertreibt eine breite Palette von Steckverbindern und -verbindungssystemen, einschließlich Antennen und Sensoren, die in einer Vielzahl von Endmärkten eingesetzt werden.
  2. Cable Products and Solutions: In diesem Segment erwirtschaftet man die restlichen 4 Prozent des Umsatzes und kümmert sich um seine Kabellösungen und zugehörigen Komponenten, die hauptsächlich in den Märkten der Breitbandkommunikation und Informationstechnologie eingesetzt werden.

Werfen wir nun einen Blick auf die Daten des zuletzt veröffentlichten Quartals (Q3 2021 – endete am 30. September 2021). Der Umsatz im Zeitraum von Juli bis September 2021 stellte einen neuen Rekord dar, schließlich lag dieser mit 2,8 Milliarden US-Dollar stolze 21 Prozent über dem Ergebnis vom Q3 2020. Auch beim bereinigten Gewinn konnte Amphenol einen neuen Rekord melden – je Aktie verdiente man 0,65 US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleich. Kein Wunder also, dass man in diesem Zuge auch die Dividende stark anhob. Unglaubliche 38 Prozent steigerte man die Quartalsdividende, von 0,145 USD auf nun 0,20 USD. Eine Steigerung in diesem Umfang lässt mein Dividendenherz natürlich höher schlagen.

Der Erfolg verwundert nicht wirklich, schließlich sind die Produkte von Amphenol durch anhaltende Trends wie Elektromobilität, 5G, Clean Energy, Cloud-Computing, künstliche Intelligenz und vielen weiteren Themen so gefragt wie nie. Sieht man sich die Länderverteilung der Umsätze an (Jahresbericht 2020 – Seite 2), so stellt man schnell fest, dass Amphenol inzwischen den Großteil (41 Prozent) in den asiatischen Industrieländern umsetzt, gefolgt von Nordamerika mit 33 Prozent, Europa mit 18 Prozent und etwa 3 Prozent im Rest der Welt. Auch die Branchenverteilung finde ich einigermaßen ausgeglichen. Der Industriezweig sorgte im Geschäftsjahr 2020 für 22 Prozent der Umsätze, die IT-Branche trug zu 21 Prozent bei und der Automobilsektor zu 17 Prozent, um hier nur die drei größten Brachen zu nennen. Alles in allem also ein ziemlich diversifiziertes Geschäft, das nicht zu abhängig von einzelnen Ländern und Sektoren ist.

In Zukunft wird Amphenol nicht nur durch interne Innovation und Produktneuheiten wachsen, sondern auch durch gezielte Geschäftsübernahmen. Alleine in den letzten 10 Jahren kaufte man auf diese Weise über 45 Unternehmen zu und baute so seine Marktstellung erheblich aus. Ich bin sehr optimistisch, dass Amphenol mit seinem breiten Produktsortiment auch in Zukunft ordentlich performen kann und Investoren langfristig glücklich machen wird.

Wie sieht es mit der Dividende aus?
Eine lange Zeit in der Firmengeschichte zahlte Amphenol keine Dividende an seine Aktionäre. Im Jahr 2005 etablierte man die regelmäßige Quartalsdividende – auch wenn diese bis 2011 eher symbolischer Natur war. In dieser Zeit beteiligte man seine Investoren mit lediglich 0,03 US-Dollar am Unternehmensgewinn. Im Jahr 2012 führte man letztendlich eine investorfreundlichere Dividendenpolitik mit jährlichen Steigerungen ein. Betrachtet man die Dividendensteigerungsrate der letzten 5 Jahre, so kann man sich über die beachtliche Rate von 15,7 Prozent freuen. Klar, die momentane Dividendenrendite ist mit 0,7 Prozent nicht gerade hoch, dafür signalisiert die Ausschüttungsquote mit gerade mal 24,4 Prozent noch genügend Steigerungspotential für die nächsten Jahre.

Fazit:
Von der mit Kunststoff isolierten Radioröhre zum heutigen Steckverbindungskonzern war es zweifelsohne ein weiter Weg. Heute ist die Amphenol Corporation mit seinem breiten Produktsortiment aus vielen Branchen nicht mehr wegzudenken, weshalb ich auch sehr optimistisch bin, was die Zukunft des Unternehmens angeht. Ich empfehle langfristig orientierten Investoren, sich diese Aktie noch mal genauer anzusehen.

Berechnungskriterium
Wert
Punktzahl
Dividendenrendite
1 %
3 von 6
Dividendensteigerungsrate (letzte 5 Jahre)
19 %
6 von 6
Ausschüttungsquote
26.8 %
6 von 6
Zahlung & Steigerung der Dividende
11 Jahre
3 von 6
Kurszuwachs (letzte 10 Jahre)
402.1 %
3 von 3
Gewinnentwicklung (letzte 5 Jahre)
5.7 %
2 von 3
Umsatzentwicklung (letzte 5 Jahre)
12.8 %
3 von 3
Verschuldungsgrad
31.3 %
1 von 3
Gesamtpunktzahl
=
27 von 36

Der Hintergrund

Als ich im Jahr 2018 DividendeOhneEnde startete, suchte ich nach einem Weg schnell und einfach ein Bewertungssystem in meinen Unternehmensvorstellungen zu integrieren. Entstanden ist eine Herzchen-Skala, die abgesehen von einigen Kennzahlen hauptsächlich auf meinem Bauchgefühl beruhte.

Das Problem

Ohne Frage, das eigene Bauchgefühl kann täuschen. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen den Aktien hat unter dem alten Bewertungssystem gelitten. Zu guter Letzt war meine alte Herzchen-Skala eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Artikelschreibens.

Die Lösung

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und lange nach einer Lösung gesucht. Mit meinem heutigen datenbasiertem Berechnungssystem kann ich fortlaufend alle meine Aktien im Blick behalten. Dies macht den DividendeOhneEnde-Score vergleichbar, zumal die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

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Benedikt Stafflinger

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Hi, ich bin Benedikt. Als Privatinvestor bin ich oft auf der Suche nach interessanten und lukrativen Dividendenaktien. Wenn ich eine Firma gefunden habe, schaue ich mir gerne das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven an. Da ich diese Infos nicht für mich behalten will, habe ich DividendeOhneEnde ins Leben gerufen - die Plattform für solide und wachstumsstarke Dividendenwerte. Hier kannst du noch etwas mehr über mich erfahren ...
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Der Depotplaner inkl. Depot-Tracker

Sehr gut, ein weiteres Unternehmen kennst du nun. Allerdings ist es keine gute Idee, blind alle meine vorgestellten Aktien nachzukaufen. Wie würde ich also ein vernünftiges Dividenden-Depot zusammenstellen? Welche verschiedenen Handelsansätze kann man verfolgen? Und ganz wichtig, wie kann man seine eigene Depotperformance tracken?

Zu diesem Theme machte ich mir sehr viele Gedanken und habe lange daran getüftelt. Stolz darf ich meinen Depotplaner mit 5 verschiedene Musterdepots präsentieren. Insgesamt werden 60 Aktien vorgestellt, die langfristig sowohl im Kurs, als auch in der Dividende steigen. Abgesehen davon gebe ich mit meinem Depot-Tracker ein geniales Tool mit an die Hand, um die eigene Performance noch besser im Auge zu behalten.

Wie ist deine Meinung zu Amphenol?

2 Antworten

    1. Hallo Christoph,
      die Bewertung ist natürlich immer eine gute Frage.
      Ich sehe das meist tatsächlich nicht ganz so eng, wenn ein Top Wert aktuell etwas teurer ist. Solange ich langfristig optimistisch bin, kaufe ich da auch gerne erstmal kleinere Einstiegspositionen.
      Sollte der Wert fallen, kann ich später immer noch nachkaufen. Und für den Fall, dass die Kurse weiter steigen, freue ich mich dabei zu sein.
      Vermutlich würde ich auch so bei Amphenol vorgehen.
      Hoffe, dir hilft das weiter.
      Liebe Grüße & viel Erfolg
      Benedikt

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