WD-40 Company

WD-40 Company

Neununddreißig Mal gescheitert

Ich gebe es ganz ehrlich zu: Handwerklich habe ich zwei linke Hände. Nichtsdestotrotz erinnere ich mich immer gerne an meine Kindheit zurück, als ich mit meinem Vater und meinem Opa allerlei Sachen gebastelt habe. Mehr als eine helfende Hand war ich aber meistens nicht. Dafür erinnere ich mich aber noch ganz genau daran, wie mein Opa regelmäßig das Multifunktionsöl WD-40 benutzte. Quietschte die Türe, sprühte er WD-40 darauf, klemmte mal eine Schraube oder musste die Fahrradkette geölt werden – WD-40 ist die Antwort!

Tatsächlich geniest das Kriechöl WD-40 sowohl unter Heimwerkern als auch professionellen Facharbeitern einen gewissen Kultstatus. Das liegt vielleicht auch an den 2000+ Einsatzmöglichkeiten. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass nur die allerwenigsten der WD-40 Nutzer auch die tolle Aktie des Unternehmens kennen, geschweige denn im Depot halten. Werfen wir also heute mal einen Blick hinter die Kulissen des Kultkonzerns und erfahren, was das ganze mit Geduld und Willensstärke zu tun hat.

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Die Entstehung und das Geschäftsmodell der WD-40 Company:

Entgegen mancher Fehlüberlieferungen geht die Entwicklung von WD-40 auf Iver Norman Lawson zurück. Dieser wurde 1892 in Oak Park, Illinois geboren und zog im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach San Diego, Kalifornien. Als Teenager besuche Lawson die Stanford University, wechselte dann aber an das California Insititute of Technologoy. Dort schloss er 1918 erfolgreich sein Maschinenbaustudium ab. Nachdem er anschließend knapp 10 Jahre für die San Diego Gas & Electric Company gearbeitet hatte, gründete er im Jahr 1928 seine eigene Flugschule namens Airtech. In den frühen 1950er-Jahren suchte Lawson eine neue Herausforderung und gründete zusammen mit einigen Kollegen die Rocket Chemical Company. Wie es der Firmenname unschwer erahnen lässt, stellte man verschiedene Chemikalien für Raketen her. Im Speziellen ging es um die Atlas-Rakete, die für den Ernstfall stets einsatzbereit stehen musste, um ans andere Ende der Welt geschickt zu werden. Und da lange Standzeiten in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit schädlich für die empfindlichen Raketen waren, musste ein chemisches Mittel her.

Nicht nur Raketen litten unter Korrosion, so kam eines Tages auch ein Marinekommandant und guter Freund von Lawson auf ihn zu und bat ihn, ein wasserabweisendes Schmiermittel für seine Schiffsschrauben zu entwickeln. Daraufhin begann Lawson in jeder freien Minute in seiner Garage zu experimentieren. Er mischte verschiedene Substanzen zusammen und prüfte deren Wirksamkeit. Ein Versuch nach dem nächsten und kein Erfolg in Sicht. Glücklicherweise dokumentierte der geduldige Tüftler seine Mischungen, sodass er die Rezeptur stetig weiterentwickeln konnte. Der vierzigste Versuch war nun endlich von Erfolg gekrönt. Daher auch der Name: “Water Displacement perfected on the 40th try” kurz WD-40. Das genaue Rezept ist übrigens bis heute unter Verschluss, weshalb es auch nie patentiert wurde. Nur so konnte man sicherstellen, dass die chemische Zusammensetzung geheim blieb. Lawson, der noch nicht ahnte, was für eine bahnbrechende Erfindung er gemacht hat, erzählte seinen Kollegen stolz von seinem Wundermittel und verkaufte die Rezeptur für gerade mal 500 US-Dollar.

Es dauerte nicht lange, bis das WD-40 auch bei der Atlas-Rakete aufgetragen wurde und sie nun vor Rost und Korrosion schützte. Interessanterweise funktionierte das Produkt so gut, dass es mehrere Mitarbeiter heimlich in Dosen abfüllten und in ihren Lunchboxen aus der Arbeit schmuggelten, um es bei sich zu Hause zu verwenden. Auch dort erwies sich WD-40 als überaus nützliches Multitalent. Als der neue Chef der Rocket Chemical Company Norman Bernard Larsen davon erfuhr, füllte er das WD-40 in handliche Aerosoldosen, um es als kommerzielles Massenprodukt auf den Markt zu bringen. Da sein Name relativ ähnlich, wie der des Erfinders Lawson klang und es kaum schriftliche Aufzeichnungen gab, wurde Larsen seitdem als Entwickler des WD-40 angesehen. Ab dem Jahr 1958 fand man die kleinen Sprühdosen bei ausgewählten Fachhändlern in der Region. Es dauerte noch 7 Jahre, bis man die Produktion seiner anderen Chemikalien einstellte und sich voll und ganz auf die Herstellung von WD-40 konzentrierte. Nun folgte auch die Umbenennung in die WD-40 Company. Das Geschäft boomte und man konnte international expandieren. Um sich breiter aufzustellen, kaufte man 1995 die 3-IN-ONE Öl-Marke von Reckitt & Coleman (Vorläufer von Reckitt-Benckiser). Bis heute diversifizierte man sich noch etwas weiter, wobei der Fokus immer noch ganz klar auf dem Tausendsassa WD-40 liegt. Mit gerade mal 500 Mitarbeitern verkauft man seine Produkte in 176 Ländern der Welt.

Der WD-40 Company Aktienchart

Zahlen | Daten | Fakten

zuletzt aktualisiert am: 29. November 2022
Symbol:
WDFC
WKN:
878588
ISIN:
US9292361071
Land:
USA
Marktkapitalisierung:
2.3 Mrd. €
Dividendenrendite:
1.8%
Zahlungsintervall:
quartalsweise
Erste Dividende:
1973

Aussichten

Wie schätze ich die Zukunftschancen der WD-40 Company ein?
Um es mit drei Wörtern zu sagen: Läuft wie geschmiert. Ok, dieser Wortwitz musste einfach sein. Aber mal ernsthaft, es läuft wirklich momentan sehr gut bei der WD-40 Company. Tatsächlich ist der Schmiermittel-Hersteller mehrfacher Coronaprofiteur. Zum einen profitiert man natürlich davon, wenn Menschen mehr Zeit in ihren eigenen Wänden verbringen. Hier und da fallen Schönheitsreparaturen an, das Garagentor muss man wieder geölt werden oder am Auto setzt sich langsam Rost an. In Zeiten des Lockdowns haben wir oft mehr Zeit für solche Sachen. Generell zögern wir in wirtschaftlich schwächeren Zeiten Neuanschaffungen hinaus und reparieren aus diesem Grund häufiger – ganz zur Freude der Baumarktketten oder eben der WD-40 Company. PS.: Hierfür wäre natürlich handwerkliches Geschick von Vorteil :-)

Abgesehen davon profitiert die WD-40 Company momentan aber auch die gesunkenen Rohölpreise. Während Öl-Konzerne, wie Royal Dutch Shell oder ExxonMobil unter enormem Druck stehen, kann der Kriechöl-Profi seine Margen hochschrauben. Dass dann die Aktie auch dementsprechend in die Höhe schießt, ist wohl kein Wunder. Werfen wir daher nun auch schnell einen Blick auf die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen (Q4 2020). Der Umsatz stieg im vierten Geschäftsquartal zwar “nur” um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, den Gewinn je Aktie konnte man aber von 0,63 US-Dollar auf 1,42 US-Dollar steigern. Vor allem das E-Commerce-Geschäft konnte um stolze 58 Prozent gesteigert werden. Das nenne ich mal Wachstum! Für das gesamte Geschäftsjahr wurden Umsätze in Höhe von 408,5 Mio. US-Dollar gemeldet (Steigerung von 4 Prozent). Das entspricht 4,40 US-Dollar je Aktie, gegenüber 4,02 US-Dollar im vorherigen Geschäftsjahr. Alles in allem also solide Zahlen.

Als Risiko muss man natürlich anführen, dass die WD-40 Company doch recht abhängig von dem Erfolg ihrer Wunderwaffe ist. Zwar stellte man sich mit anderen Wartungs- und Reinigungsprodukten, wie Entfettern, Rostentfernern, Toilettenreinigern und Hochleistungsseifen etwas breiter auf, die Produkte der Marke WD-40 überwiegen dennoch ganz klar. Andererseits kann man die starke Markenbekanntheit aber auch als Burggrabeneffekt deuten. Selbst wenn Konkurrenten ein ähnlich gutes Produkt auf den Markt bringen, die Fangemeinde von WD-40 ist so groß, dass Konkurrenten hier definitiv kein leichtes Spiel hätten.

Wie steht es um die Dividende?
Seit dem Jahr 1973 beteiligt die WD-40 Company seine Investoren am Gewinn in Form von Dividenden. Allerdings ist es dem Unternehmen nicht immer gelungen, die Dividende von Jahr zu Jahr zu steigern. Tatsächlich musste man zuletzt im Jahr 2003 die Dividende sogar kürzen und in den Jahren 2008 bis 2010 auf der Stelle lassen. Seitdem pflegt man aber ohne Zweifel eine vorbildliche Dividendenpolitik mit regelmäßigen Steigerungen. Die Dividendensteigerungsrate der letzten 10 Jahren liegt bei soliden 9 Prozent. Auch die aktuelle Dividendenrendite in Höhe von 1,3 Prozent kann sich sehen lassen. Einzig die Ausschüttungsquote könnte mit knapp 60 Prozent gerne etwas niedriger sein.

Fazit:
Die WD-40 Company hat meiner Meinung nach eine sehr spannende Entstehungsgeschichte. Kaum ein Handwerker oder Hobbybastler wird das Kriechöl WD-40 nicht kennen – da wundert es mich auch nicht, dass die Aktie so gut läuft. Wer auf der Suche nach einem soliden Langfristwert ist, ist hier sicher gut bedient.

Berechnungskriterium
Wert
Punktzahl
Dividendenrendite
1.8 %
4 von 6
Dividendensteigerungsrate (letzte 5 Jahre)
9.8 %
3 von 6
Ausschüttungsquote
63.7 %
3 von 6
Zahlung & Steigerung der Dividende
11 Jahre
3 von 6
Kurszuwachs (letzte 10 Jahre)
268.3 %
3 von 3
Gewinnentwicklung (letzte 5 Jahre)
5.5 %
2 von 3
Umsatzentwicklung (letzte 5 Jahre)
6.2 %
2 von 3
Verschuldungsgrad
18.5 %
2 von 3
Gesamtpunktzahl
=
22 von 36

Der Hintergrund

Als ich im Jahr 2018 DividendeOhneEnde startete, suchte ich nach einem Weg schnell und einfach ein Bewertungssystem in meinen Unternehmensvorstellungen zu integrieren. Entstanden ist eine Herzchen-Skala, die abgesehen von einigen Kennzahlen hauptsächlich auf meinem Bauchgefühl beruhte.

Das Problem

Ohne Frage, das eigene Bauchgefühl kann täuschen. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen den Aktien hat unter dem alten Bewertungssystem gelitten. Zu guter Letzt war meine alte Herzchen-Skala eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Artikelschreibens.

Die Lösung

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und lange nach einer Lösung gesucht. Mit meinem heutigen datenbasiertem Berechnungssystem kann ich fortlaufend alle meine Aktien im Blick behalten. Dies macht den DividendeOhneEnde-Score vergleichbar, zumal die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

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Benedikt Stafflinger

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Hi, ich bin Benedikt. Als Privatinvestor bin ich oft auf der Suche nach interessanten und lukrativen Dividendenaktien. Wenn ich eine Firma gefunden habe, schaue ich mir gerne das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven an. Da ich diese Infos nicht für mich behalten will, habe ich DividendeOhneEnde ins Leben gerufen - die Plattform für solide und wachstumsstarke Dividendenwerte. Hier kannst du noch etwas mehr über mich erfahren ...
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Sehr gut, ein weiteres Unternehmen kennst du nun. Allerdings ist es keine gute Idee, blind alle meine vorgestellten Aktien nachzukaufen. Wie würde ich also ein vernünftiges Dividenden-Depot zusammenstellen? Welche verschiedenen Handelsansätze kann man verfolgen? Und ganz wichtig, wie kann man seine eigene Depotperformance tracken?

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