Canadian Tire

Canadian Tire

Von Autoreifen über Hockeyschläger zu Kreditkarten

Ich möchte diesen Artikel mit einer Geschichte über die NASA und ihre Kugelschreiber einleiten. In den 1960er-Jahren stellte man fest, dass Kugelschreiber in der Schwerelosigkeit nicht richtig funktionierten. Also steckte die NASA Millionen von Dollar in die Entwicklung des Space Pen, einem Kuli, der auch unter schwersten Bedingungen reibungslos funktionieren würde. Die Sowjets hingegen benutzten einfach einen Bleistift. Ok, zugegeben, die Geschichte entspricht nicht 100 Prozent der Wahrheit, aber sie verdeutlicht recht anschaulich meinen Investmentstil: Keep it simpel! Um vernünftige Kandidaten für ein Aktiendepot zu finden, muss man mit Sicherheit kein Raketenwissenschaftler oder Finanzexperte sein.

Einen solchen Kandidaten möchte ich heute vorstellen: die Canadian Tire Corporation Limited. Seit Jahrzehnten kennen die Umsatz- und Gewinnentwicklungen gefühlt nur eine Richtung. Zudem werden Investoren hier mit einer attraktiven Dividende belohnt. Zögern wir also nicht lange und schauen uns Canadian Tire mal etwas genauer an.

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Die Entstehung und das Geschäftsmodell der Canadian Tire Corporation Limited:

Die Entstehungsgeschichte des heutigen Handelsgiganten findet ihren Ursprung in Toronto, der Hauptstadt Kanadas, bei den beiden Brüdern John William (geb. 1897) und Alfred Jackson Billes (geb. 1902). Bereits in ihrer frühen Kindheit trugen die beiden Jungen gemeinsam Zeitungen aus. Dass sie später eine der größten kanadischen Handelsketten aufbauen würden, ahnte damals noch niemand. Nach seiner Schulzeit entschied sich John W. Buchhaltung zu studieren, bevor er als Verkaufsleiter bei der Hamilton Street Tire and Garage Company, einem Autoteilehändler begann zu arbeiten. Der plötzliche Tod ihres Vaters im Jahr 1917 stürzte die Familie in finanzielle Schwierigkeiten, sodass Alfred J. die Schule abbrechen musste, um ebenfalls arbeiten zu gehen. Recht schnell fand er eine Anstellung als einfacher Mitarbeiter der Dominion Bank (heute TD Bank). Über die nächsten Jahre sorgten die beiden Brüder für den Familienunterhalt und sparten etwas Geld. Im Jahr 1922 legten sie ihre Ersparnisse in Höhe von 1.800 CAD zusammen und entschieden, die Hamilton Street Tire and Garage Company vollständig zu übernehmen.

Die Automobilindustrie steckte zweifelsohne noch in den Kinderschuhen, dennoch glaubten die Billes-Brüder an steigende Autoverkäufe und somit auch an das Wachstumspotenzial ihres kleinen Autoteilegeschäfts. Neben Reifen führten sie einen kleinen Bestand an Reparatur- und Ersatzteilartikeln wie Batterien und Kfz-Flüssigkeiten. Ungünstigerweise wurde kurz nach Eröffnung ihres Geschäfts eine wichtige Zufahrtsbrücke wegen Bauarbeiten gesperrt und der Umsatz brach drastisch ein. So sahen sich die beiden zwar gezwungen ihr Geschäft zu schließen, die Branche aufgeben wollten sie aber keineswegs. Anfang 1923 zogen sie mit dem gesamten Inventar an einen geeigneteren Standort in Toronto und eröffneten dort ihre Autoteilehandlung inklusive der neuen Zapfsäulen unter dem Namen Canadian Tire Corporation. Das Geschäft entwickelte sich hervorragend und schon bald konnte man ein zweites Geschäft in der Nähe eröffnen. Während John W. die Geschäftsführung übernahm, kümmerte sich Alfred J. ums Marketing, worin er ausgesprochen geschickt war. So erstellte er unter anderem Werbeprospekte, in denen auch Straßenkarten abgebildet waren – diese waren damals noch selten und wurden daher von Kunden sehr geschätzt.

Bald folgte ein umfassender Warenkatalog, den man an alle Autobesitzer der Region verschickte und der ihnen die Möglichkeit bot, per Post zu bestellen. Aufgrund seiner günstigen Preise und der hohen Qualität konnte die Canadian Tire Corporation auch während der schwierigen Weltwirtschaftskrise weiterwachsen. Man eröffnete fortlaufend neue Filialen und um dieses Wachstum zu finanzieren, ging man im Jahr 1944 an die Börse und gab insgesamt 100.000 Aktien aus. Zu dieser Zeit verwaltete man bereits über 100 Filialen, verteilt in ganz Kanada. Gegen Ende der 1950er-Jahre entschied man erste eigene Tankstellen zu eröffnen, in der Kunden mit dem sogenannten Canadian Tire Money belohnt wurden. Diese Rabattgutscheine konnte man anschließend in den Canadian Tire Geschäften einlösen. Auch erweiterte man fortlaufend das Produktsortiment und legte neben den Autoersatzteilen den Fokus vermehrt auf Sport- und Freizeitartikel sowie Haushaltswaren. Im Jahr 2001 stellte man sich mit der Übernahme der Bekleidungskette Mark’s Work Warehouse auch in diesem Segment breiter auf – 2018 folgte mit Helly Hansen eine weitere strategische Übernahme in diesem Bereich. Heute verwaltet die Canadian Tire Corporation Limited über 1.700 Geschäftsstellen und zählt zu den führenden Unternehmen seiner Branche.

Der Canadian Tire Aktienchart

Zahlen | Daten | Fakten

zuletzt aktualisiert am: 29. November 2022
Symbol:
CTC-A.TO
WKN:
858397
ISIN:
CA1366812024
Land:
Kanada
Marktkapitalisierung:
6.3 Mrd. €
Dividendenrendite:
4%
Zahlungsintervall:
quartalsweise
Erste Dividende:
1987

Aussichten

Wie kann sich Canadian Tire in Zukunft weiterentwickeln?
Bevor ich mich dieser Frage widme, möchte ich noch mal kurz das Geschäftsmodell der Canadian Tire Corporation zusammenfassen. Es handelt sich hierbei um eine Unternehmensfamilie, die neben dem Einzelhandelssegment auch eine Finanzdienstleistungssparte und eine Immobiliensparte umfasst. Das Einzelhandelsgeschäft wird selbstverständlich von den Canadian Tire Filialen selbst angeführt. Die Tochtergesellschaft PartSource fokussiert sich ausschließlich auf Autoersatzteile für Profis und gewerbliche Kunden. Unter dem Namen Gas+ betreibt man sein Tankstellennetz. Mit SportChekPro Hockey LifeMark’sHelly HansenAtmosphere oder Party City ist man auch in den Bereichen Sport, Bekleidung, Outdoor oder Partyzubehör bestens aufgestellt. Unter dem Namen Canadian Tire Financial Services biete man verschiedene Produkte und Dienstleistungen an. Die wohl wichtigste und bekannteste ist die Triangle Mastercard – der Kreditkarte, die inzwischen über 2,1 Millionen Kanadier nutzen, um am Bonusprogramm des Unternehmens teilzunehmen. Zu guter Letzt verwaltet man mit CT REIT einen geschlossenen Immobilieninvestmenttrust, der momentan rund 350 Gewerbeimmobilien umfasst, die sich hauptsächlich im Heimatland Kanada befinden.

Werfen wir nun einen Blick auf die Zahlen des zuletzt veröffentlichten Quartals (Q2 2021 – endete am 3. Juli 2021). Der Gesamtumsatz im zweiten Quartal 2021 belief sich auf 3,92 Milliarden CAD, was einem Anstieg von knapp 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Besonders stolz war man hier auf die Umsätze der E-Commerce-Sparte – diese stiegen um 63,2 Prozent auf nun 856,7 Millionen CAD. Den Gewinn konnte man im Vergleich zum Vorjahr um etwa 11 Prozent auf nun 259,1 Millionen CAD steigern. Das entspricht einem Gewinn von 3,68 CAD je Aktie. Alles in allem Quartalszahlen, die sich zweifelsohne sehen lassen können.

Was die Zukunft des Unternehmens angeht, bin ich ausgesprochen zuversichtlich. Klar, das Geschäft im Einzelhandel hat sich gewandelt, dennoch sieht man auch bei Canadian Tire, dass sich die Investitionen in diesem Bereich auszahlen und man hier sehr stark wächst. Das hat man zum Teil sicher auch seiner treuen Kundschaft zu verdanken, die so zahlreich am Bonusprogramm teilnimmt. Auch durch die sinnvolle Akquise passender Unternehmen wird man in Zukunft weiterwachsen. Das birgt zwar stets die Gefahr, dass man sich mit einer Übernahme mal überschätzt, allerdings stellte man in der Vergangenheit schon mehrfach sein Können in diesem Gebiet unter Beweis.

Übrigens: Bei Canadian Tire gibt es zwei verscheide Aktienklassen. CTC ist das Symbol für die Stammaktie mit Stimmrechten. CTC.A hingegen bietet keine Stimmrechte.

Wie sieht es mit der Dividende aus?
Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass Canadian Tire Aktionäre mindestens seit dem Jahr 1987 quartalsweise am Unternehmensgewinn in Form von Dividenden beteiligt werden. Zwar ist es dem Handelskonzern nicht in jedem Jahr gelungen, die Dividende zu steigern (zuletzt in den Jahren 2008 bis 2010), gekürzt wurde sie aber glücklicherweise noch nie. Betrachtet auf den letzten 10 Jahren liegt die durchschnittliche Dividendensteigerungsrate bei 16,9 Prozent – betrachtet auf den letzten 5 Jahren sogar bei stolzen 18,1 Prozent. Auch die momentane Dividendenrendite in Höhe von 2,3 Prozent und die Ausschüttungsquote von 31,2 Prozent signalisieren ein absolut gesundes und investorfreundliches Ausschüttungsverhalten.

Fazit:
Durch Qualität und kluges Marketing baute sich die Canadian Tire Corporation ein beachtliches Geschäft auf und ich sehe keinen Grund, dass nicht eine ebenso erfolgreiche Zukunft vor dem Unternehmen liegt. Langfristanleger, die ihrem Depot einen aussichtsreichen kanadischen Titel beimischen möchten, sollten sich das Unternehmen noch mal genauer anzusehen.

Berechnungskriterium
Wert
Punktzahl
Dividendenrendite
4 %
6 von 6
Dividendensteigerungsrate (letzte 5 Jahre)
18.6 %
6 von 6
Ausschüttungsquote
34.6 %
6 von 6
Zahlung & Steigerung der Dividende
12 Jahre
3 von 6
Kurszuwachs (letzte 10 Jahre)
123.1 %
3 von 3
Gewinnentwicklung (letzte 5 Jahre)
10.2 %
3 von 3
Umsatzentwicklung (letzte 5 Jahre)
5.9 %
2 von 3
Verschuldungsgrad
36 %
1 von 3
Gesamtpunktzahl
=
30 von 36

Der Hintergrund

Als ich im Jahr 2018 DividendeOhneEnde startete, suchte ich nach einem Weg schnell und einfach ein Bewertungssystem in meinen Unternehmensvorstellungen zu integrieren. Entstanden ist eine Herzchen-Skala, die abgesehen von einigen Kennzahlen hauptsächlich auf meinem Bauchgefühl beruhte.

Das Problem

Ohne Frage, das eigene Bauchgefühl kann täuschen. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen den Aktien hat unter dem alten Bewertungssystem gelitten. Zu guter Letzt war meine alte Herzchen-Skala eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Artikelschreibens.

Die Lösung

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und lange nach einer Lösung gesucht. Mit meinem heutigen datenbasiertem Berechnungssystem kann ich fortlaufend alle meine Aktien im Blick behalten. Dies macht den DividendeOhneEnde-Score vergleichbar, zumal die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

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Benedikt Stafflinger

Benedikt Stafflinger

Hi, ich bin Benedikt. Als Privatinvestor bin ich oft auf der Suche nach interessanten und lukrativen Dividendenaktien. Wenn ich eine Firma gefunden habe, schaue ich mir gerne das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven an. Da ich diese Infos nicht für mich behalten will, habe ich DividendeOhneEnde ins Leben gerufen - die Plattform für solide und wachstumsstarke Dividendenwerte. Hier kannst du noch etwas mehr über mich erfahren ...
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Der Depotplaner inkl. Depot-Tracker

Sehr gut, ein weiteres Unternehmen kennst du nun. Allerdings ist es keine gute Idee, blind alle meine vorgestellten Aktien nachzukaufen. Wie würde ich also ein vernünftiges Dividenden-Depot zusammenstellen? Welche verschiedenen Handelsansätze kann man verfolgen? Und ganz wichtig, wie kann man seine eigene Depotperformance tracken?

Zu diesem Theme machte ich mir sehr viele Gedanken und habe lange daran getüftelt. Stolz darf ich meinen Depotplaner mit 5 verschiedene Musterdepots präsentieren. Insgesamt werden 60 Aktien vorgestellt, die langfristig sowohl im Kurs, als auch in der Dividende steigen. Abgesehen davon gebe ich mit meinem Depot-Tracker ein geniales Tool mit an die Hand, um die eigene Performance noch besser im Auge zu behalten.

Wie ist deine Meinung zu Canadian Tire?

7 Antworten

  1. Finde ich super, dass du immer wieder auch Unternehmen in petto hast, die man nicht unbedingt kennt. Lese deine Unternehmensvorstellungen wirklich sehr gerne. Danke für die wertvolle Arbeit!

  2. Hallo Benedikt,

    wie immer tolle und ausführliche Vorstellung.
    Constellation Software aus Kanada kann ich noch empfehlen 🙂

    Lg Thomas

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