Swedish Match

Swedish Match

Hey, wir haben ein Match!

Wenn ich an Tabak denke, denke ich automatisch an Zigaretten. Da haben die Marketingabteilungen von Altria & Co. ganze Arbeit geleistet. Natürlich kenne ich auch Pfeifentabak, Zigarren oder Schnupftabak, auch wenn diese längst nicht so verbreitet sind. Von Snus hingegen habe ich noch nie gehört. Und an dieser Stelle interessierte es mich mal wirklich, wie das bei euch ist?! Schreibt mir bitte mal unten in die Kommentare, ob ihr Snus bereits kanntet.

Schaut man sich Statistiken vom Rauchverhalten in Europa an, so stellt man fest, dass gerade in Skandinavien die Raucherquoten extrem gering sind. Auf Genussmittel ganz verzichten möchte man dennoch nicht. Snus, erhitztes Tabakpulver in kleinen Beutelchen, die man zwischen Lippe und Zahnfleisch platziert, geht auf eine lange Tradition in Nordeuropa zurück. Der weltweit führende Hersteller für diese Tabakart ist Swedish Match.

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Die Entstehung und das Geschäftsmodell der Swedish Match AB:

Die Geschichte von Swedish Match geht auf den Industriemagnaten Ivar Kreuger zurück. Seine Vorfahren wanderten bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Schweden aus. Zweifelsohne waren die Kreugers eine fleißige und ehrgeizige Familie. Bereits Ivars Urgroßvater war erfolgreicher Großhandelskaufmann. Sein Opa begann mit der Herstellung von Streichhölzern und konnte mehrere kleinere Betriebe übernehmen. Ivars Vater führe die Geschäfte fort und konnte weitere Zündholzfabriken zukaufen. In dieser Zeit wurde das Streichholz entscheidend weiterentwickelt. Anstelle von gesundheitsschädlichen weißen Phosphor verwendete man ab 1844 den viel sichereren roten Phosphor. Ivar interessierte sich in seiner Kindheit aber wenig für das Familiengeschäft. Einen Unternehmersinn besaß er dennoch. So schlich er sich als Schüler einst in das Zimmer des Rektors, stahl Prüfungsaufgaben und verkaufte sie an seine Mitschüler. Nach seiner Schulzeit studierte er Ingenieurswesen, bereiste dann aber erst mal die Welt. So jobbte er einige Jahre in Südafrika, Deutschland, Kanada und in den USA. Mit 28 Jahren kehrte er schließlich nach Schweden zurück. In dieser Zeit leitete sein Bruder das schwächelnde Familienunternehmen.

Die neue elektrische Beleuchtung sorgte für massive Umsatzrückgänge in der Streichholzindustrie. Außerdem gelang es Kreugers Hauptkonkurrenten Jonkoping & Vulcan sich einen Marktanteil von 75 Prozent zu verschaffen. Ivar nahm die Herausforderung an, gründete das Unternehmen Svenska Tändsticks und begann die restlichen Marktteilnehmer aufzukaufen. Er blähte den Wert seines Unternehmens künstlich so sehr auf, sodass es ihm schließlich 1917 gelang, seinen Konkurrenten zu übernehmen. Nach Ende des Ersten Weltkriegs verlagerte er seinen Fokus auf ganz Europa. Mit fragwürdigen Geschäftspraktiken kaufte er nach und nach eine Menge Streichholzhersteller auf. So schickte er stets Undercover-Partner vor, die ein viel zu günstiges Übernahmeangebot machten. Dann kam er, machte zwar ein besseres, aber immer noch extrem günstiges Angebot, das meist wehmütig angenommen wurde. Außerdem gewährte er in dieser Zeit einigen angeschlagenen Ländern, darunter auch Deutschland, großzügige Kredite. Neben den normalen Zinsen sicherte er sich auf diesen Weg auch die absolute Monopolstellung für seine Streichhölzer in den jeweiligen Ländern. Mit diesen Taktiken gelang es Kreuger innerhalb kürzester Zeit sein Weltunternehmen aufzubauen.

Allerdings begann das Kartenhaus 1930 einzubrechen. Die Weltwirtschaftskrise und der anschließende Börsencrash schlug auch Kreugers Imperium an. Erwartete Kreditzahlungen fielen aus, er konnte seine Verbindlichkeiten nicht mehr zahlt und egal, was er versuchte, es gelang ihm nicht sein Unternehmen zu retten. Schließlich wurde er 1932 in seiner Pariser Wohnung erschossen aufgefunden. Auch, wenn man von Suizid ausging, war Mord nicht auszuschließen. Über die Jahre hinweg machte er sich eine Menge mächtiger Feinde. Svenska Tändsticks wurde letztendlich aufgekauft und umstrukturiert. Nach wie vor war Swedish Match, wie man sich seit 1980 nannte, Weltmarktführer im Streichholzgeschäft, nichtsdestotrotz entschied man sich breiter aufzustellen. So kaufte man 1992 den schwedischen Tabakkonzern Svenska Tobaks. Allerdings fokussierte man sich schnell auf Nischentabakprodukte. Aus diesem Grund verkaufte man seine Zigarettensparte im Jahr 1999. Heute ist man in den Bereichen Kautabak, Snus, Zigarren, Pfeifentabak und natürlich Feuerzeuge und Streichhölzer bestens aufgestellt.

Der Swedish Match Aktienchart

Zahlen | Daten | Fakten

zuletzt aktualisiert am: 29. November 2022
Symbol:
SWMA.ST
WKN:
900439
ISIN:
SE0000310336
Land:
Schweden
Marktkapitalisierung:
16.2 Mrd. €
Dividendenrendite:
1.6%
Zahlungsintervall:
halbjährlich
Erste Dividende:
1996

Aussichten

Wie wird sich Swedish Match in Zukunft weiterentwickeln?
Hier bin ich tatsächlich ziemlich zuversichtlich. Swedish Match hat in der Vergangenheit schon des Öfteren bewiesen, dass man Krisenzeiten überstehen und sich, wenn nötig, auch schnell neu aufstellen kann. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist dies eine extrem vorteilhafte Eigenschaft. Schweden war das einzige Land, welches das WHO-Ziel der Reduzierung des Zigarettenrauchens auf unter 20% der Erwachsenen bereits 1999 erreichte. Damit hat Schweden die wirksamste Anti-Raucher-Politik Europas. Natürlich wäre es utopisch zu glauben, dass plötzlich alle Nikotinsüchtigen geheilt wurden. Nein, die meisten Ex-Raucher sind auf Snus umgestiegen. Der Trend zu immer weniger Rauchern setzt sich übrigens bis heute fort. Im selben Atemzug steigt der Verbrauch von Snus. Ein Trend, den Swedish Match früh erkannte und für sich nutzte.

Auch in Amerika findet Snus immer größeren Anklang. Kein Wunder also, dass inzwischen auch andere Tabakkonzerne massiv in die Rauchfrei-Alternative investieren. Swedish Match ist seinen Mitstreitern allerdings einen entscheidenden Schritt voraus. Kürzlich hat die Food and Drug Administration den Schweden erlaubt, einige ihrer Produkte damit zu bewerben, dass sie harmloser als Zigaretten sind. Damit ist es Swedish Match als Erstes gelungen, diese Erlaubnis zu bekommen. Mit diesem Hinweisaufdruck wird man seine Snus-Umsätze noch einmal schneller steigern können.

Doch damit nicht genug – Swedish Match ging noch einen Schritt weiter. Inzwischen hat man eine neue Tabakfreie-Snus-Version ins Rennen geschickt – ZYN. Das sind kleine Nikotinbeutel, die genauso wie Snus zwischen Lippe und Zahnfleisch geklebt werden. Inzwischen ist das neue Produkt schon in über 67.000 Händlern in den USA erhältlich – Tendenz steigend. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, baut man momentan eine neue Fabrik, die ab 2022 jährlich rund 200 Millionen Dosen produzieren soll.

Nach wie vor produziert Swedish Match auch Feuerzeuge und Streichhölzer. Schaut man sich allerdings die Gewinnverteilung an, sieht man, wie klein dieses Geschäftsfeld wurde. 60 Prozent verdient man mit Snus und anderem Schnupftabak, 36 Prozent mit anderen Tabakwaren und nur noch 4 Prozent mit der Sparte “Lights”.

Kann die Dividende weiterhin gezahlt und gesteigert werden?
Im Jahr 1996, als man an die Stockholmer Börse ging, schüttete man die erste Dividende an seine Aktionäre aus. Seitdem wurde die Dividende auch jährlich angehoben, mit Ausnahme des Jahres 2013. Damals konnte man die Dividende zwar nicht steigern, aber immerhin musste man sie nicht senken. Die Dividendensteigerungsrate betrachtet auf 10 Jahre liegt bei ordentlichen 11 Prozent. Kürzlich kündigte man an, die Dividende in diesem Jahr, um stolze 19 Prozent anzuheben. Hier ist definitiv ein tolles Dividendenwachstum zu erkennen. Die aktuelle Dividendenrendite fällt mit 2,0 Prozent zwar deutlich geringer aus, als bei manch anderen Tabakkonzernen. Das verwundert aber faktisch nicht, wenn man sich die Aktienkurse der Unternehmen ansieht. Die Ausschüttungsquote ist mit 53 Prozent zwar nicht gering, liegt aber noch im akzeptablen Bereich.

Fazit:
Das skandinavische Unternehmen Swedish Match hatte eine faszinierende Entstehungsgeschichte, die sich fast wie ein Krimi liest. Heute konzentriert sich der Konzern auf verschiedene Nischentabakprodukte und bietet damit Konsumenten eine deutlich harmlosere rauchfreie Alternative. Gesund sind diese Produkte natürlich auch nicht, aber ich bin mir sicher, dass Genussmittel auch in Zukunft eine große Rolle in unserer Gesellschaft spielen werden. Dividendeninvestoren, die sich breiter aufstellen und gleichzeitig vom Erfolg der Skandinavier profitieren wollen, sind hier meiner Meinung nach gut bedient.

Berechnungskriterium
Wert
Punktzahl
Dividendenrendite
1.6 %
4 von 6
Dividendensteigerungsrate (letzte 5 Jahre)
21.1 %
6 von 6
Ausschüttungsquote
44.7 %
5 von 6
Zahlung & Steigerung der Dividende
0 Jahre
0 von 6
Kurszuwachs (letzte 10 Jahre)
390 %
3 von 3
Gewinnentwicklung (letzte 5 Jahre)
18.1 %
3 von 3
Umsatzentwicklung (letzte 5 Jahre)
5.7 %
2 von 3
Verschuldungsgrad
73.1 %
0 von 3
Gesamtpunktzahl
=
23 von 36

Der Hintergrund

Als ich im Jahr 2018 DividendeOhneEnde startete, suchte ich nach einem Weg schnell und einfach ein Bewertungssystem in meinen Unternehmensvorstellungen zu integrieren. Entstanden ist eine Herzchen-Skala, die abgesehen von einigen Kennzahlen hauptsächlich auf meinem Bauchgefühl beruhte.

Das Problem

Ohne Frage, das eigene Bauchgefühl kann täuschen. Aber auch die Vergleichbarkeit zwischen den Aktien hat unter dem alten Bewertungssystem gelitten. Zu guter Letzt war meine alte Herzchen-Skala eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt des Artikelschreibens.

Die Lösung

Ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und lange nach einer Lösung gesucht. Mit meinem heutigen datenbasiertem Berechnungssystem kann ich fortlaufend alle meine Aktien im Blick behalten. Dies macht den DividendeOhneEnde-Score vergleichbar, zumal die Daten regelmäßig aktualisiert werden.

Weitere interessante Unternehmen:

Benedikt Stafflinger

Benedikt Stafflinger

Hi, ich bin Benedikt. Als Privatinvestor bin ich oft auf der Suche nach interessanten und lukrativen Dividendenaktien. Wenn ich eine Firma gefunden habe, schaue ich mir gerne das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven an. Da ich diese Infos nicht für mich behalten will, habe ich DividendeOhneEnde ins Leben gerufen - die Plattform für solide und wachstumsstarke Dividendenwerte. Hier kannst du noch etwas mehr über mich erfahren ...
Benedikt Stafflinger

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Der Depotplaner inkl. Depot-Tracker

Sehr gut, ein weiteres Unternehmen kennst du nun. Allerdings ist es keine gute Idee, blind alle meine vorgestellten Aktien nachzukaufen. Wie würde ich also ein vernünftiges Dividenden-Depot zusammenstellen? Welche verschiedenen Handelsansätze kann man verfolgen? Und ganz wichtig, wie kann man seine eigene Depotperformance tracken?

Zu diesem Theme machte ich mir sehr viele Gedanken und habe lange daran getüftelt. Stolz darf ich meinen Depotplaner mit 5 verschiedene Musterdepots präsentieren. Insgesamt werden 60 Aktien vorgestellt, die langfristig sowohl im Kurs, als auch in der Dividende steigen. Abgesehen davon gebe ich mit meinem Depot-Tracker ein geniales Tool mit an die Hand, um die eigene Performance noch besser im Auge zu behalten.

Wie ist deine Meinung zu Swedish Match?

5 Antworten

  1. Hallo Benedikt,

    interssant, Deine Vorstellung von Swedish Match und CSL. Beides Aktien, welche man in den Dividenenblogs seltenen sieht. In Swedish Match bin ich seit Jahren investiert, CSL war mir immer zu teuer.
    Es gibt wirklich Aktien, welche etwas weg sind vom Mainstream, aber deutlich besser sind und über die man selten etwas liest. Bitte fange nicht auch über Reits und Hochdividendenwerte an. Sind für mich unterm Strich bei einer Langfristanlage meisten Cashverbrennungsmaschinen über die mans chon genug in anderen Blogs liest. Siehe jetzt RDS.

    Aktien wie Novo Nordisk, Linde oder Nestle sind aus meiner Sicht substanzieller. Insbesondere über eine Linde habe ich noch nie etwas in Dividendenblogs gelesen. Haben halt nicht diese spektakuläre Anfangsdividende. Aber ein einigermaßen krisensicheres Geschäftsmodell und AKtienrückkäufe sorgen unter dem Strich für eine gute Gesamtperformance.

    Ebenfalls interesssant ist Visa. Da bin ich ebenfalls investiert. Das kostet teilweise schon Überwindung in ein eigentlich so hervorragendes Unternehmen zu investieren, welches aber leider immer so hoch bewertet ist. (wie CSL)

    Ich werde wohl öfters auf Deiner Seite vorbeischauen, insbesondere wenn auch mal Aktien abseites des Mainstreams vorgestellt werden. Die meisten dürfte ich zwar kennen, aber immer interessant von jemand anderem darüber einen Bericht zu lesen. Da findet man vielleicht auch Hinweise und Informationen, welche man so noch nicht kannte.

    Deine Seite wird auf jeden Fall unter meinen Lesezeichen jetzt gespeichert.

    1. Hallo 🙂
      Vielen Dank für dein Feedback.
      Ich freue mich, dass dir mein Blog gefällt.
      Aktien vorzustellen, die vielleicht nicht jeder auf dem Radar hat, ist auch das Ziel von DividendeOhneEnde.
      Allerdings macht genau das die Sache auch schwieriger – schließlich möchte ich langfristig mehr Leser dazugewinnen.
      Schreibe ich nur über Unternehmen, die niemand kennt, werde ich auch nie organisch neue Leser bekommen.
      Von daher versuche ich einen gesunden Mix aus bekannten und unbekannten Dividendenaktien vorzustellen.

      Liebe Grüße und weiterhin eine saftige Rendite
      Benedikt

  2. Sehr interessanter Artikel! Danke dafür!

    Bisher bin ich nur in Ländern investiert in denen keine Quellensteuer erhoben wird bzw. diese komplett mit der deutschen Abgeltungssteuer verrechnet wird.

    Wie sieht es mit der schwedischen Quellensteuer aus? Diese liegt ja bei 30%. Angenommen ich bekomme eine Dividende i.H.v. 100 Euro vor Steuer aus einem Investment in eine schwedische Aktie. Wie viel wird mir hier mehr abgezogen als bei einem Investment in z.B. deutsche Aktien bei denen ich ebenfalls einen Ertrag von 100 Euro vor Steuer habe, also – Abgeltungssteuer u. – Soli –> ca. 75 Euro netto?

    Den Freibetrag habe ich bereits lange ausgeschöpft.

    Gerade bei ausländischen Aktien wären das schon interessante Infos. Vielleicht kann man das auch in den Analysetext mit einbauen?

    Grüße
    Der Mike

    1. Hallo Der Mike,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Das Thema mit der Quellsteuer ist definitiv etwas knifflig. Ich werde hierzu aber mal einen separaten Artikel veröffentlichen, indem ich alles Schritt für Schritt erkläre.
      Liebe Grüße
      Benedikt

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